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DDR Indianerfilme

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Es war wohl kein Zufall, dass die DEFA in den 1960er Jahren mit der Produktion von Indianerfilmen begann. Zum einen wurde durchaus über die Grenze auf die Arbeit der westdeutschen Filmproduktionen geschielt, die gerade begonnen hatten, große Publikumserfolge mit der Verfilmung der Wild-West-Romane von Karl May zu feiern. Zum anderen bot die Figur des edlen und freiheitsliebenden Indianers reichlich Potenzial für Geschichten, die den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung zum Thema hatten.



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Der Wilde Westen in Potsdam

Die Dreharbeiten für die DDR-Indianerfilme fanden hauptsächlich auf dem Studiogelände der DEFA in Potsdam-Babelsberg statt. Wer heutzutage den Filmpark Babelsberg besichtigt, findet hier noch immer die alte Westernstraße, die für viele DDR-Indianerfilme als Kulisse diente. Außenaufnahmen, die spezielle Landschaftsansichten erforderten, wurden aber auch im Elbsandsteingebirge, in Montenegro, Georgien, Rumänien, Jugoslawien und der Mongolei sowie an anderen Orten gedreht. Grundlage für das Drehen in anderen Ländern waren Filmabkommen, die die DDR mit diesen abgeschlossen hatte. In einigen Fällen kam es auch zu Koproduktionen zwischen der DEFA und ausländischen Filmproduktionsfirmen wie zum Beispiel für den Film „Weiße Wölfe“, der gemeinsam mit der jugoslawischen Bosna-Film realisiert wurde oder „Osceola“, bei dem die DEFA mit dem Kino-Zentrum Sofia aus Bulgarien und der ICAIC Havanna aus Kuba kooperierte.

Gojko Mitić – Eine Schauspielerkarriere, die als Indianer begann

Als Gojko Mitić 1940 im serbischen Leskovac als Sohn eines Landwirts geboren wurde, hat sicher niemand vorausgesehen, dass der Junge später zu einem der größten Publikumslieblinge der DDR werden sollte. Hauptsächlich bei den Großeltern aufgewachsen, strebte Gojko zunächst eine Karriere als Sportlehrer an und begann daher ein Sportstudium in Belgrad. Erste Filmerfahrungen sammelte er als Stuntman und als Double für verschiedene internationale Produktionen. Als Indianer wird er erstmals im Jahr 1963 in einem Karl-May-Film der westdeutschen Filmfirma Rialto in einer kleinen Rolle besetzt. Dabei muss er seine Sache gut gemacht haben, denn es folgt im Jahr 1965 eine Episodenrolle in dem deutsch-französischen Film „Unter Geiern“ mit Pierre Brice als Winnetou und Stewart Granger als Old Surehand. Als die DEFA ihren ersten Indianerfilm „Die Söhne der großen Bärin“ vorbereitet, fällt die Wahl auf Gojko Mitić für die Hauptrolle. Damit beginnt eine einzigartige Karriere, auch wenn der Schauspieler anfangs aufgrund seines Akzents synchronisiert wird. Dafür übernimmt er aber alle Reitszenen und Stunts selbst und kann Regisseure und Zuschauer damit überzeugen. Mitić wird in Publikationen häufig als Winnetou des Ostens oder als DEFA-Chefindianer bezeichnet, wodurch sein Schaffen auf die Rolle des Indianers reduziert wird. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass er darüber hinaus in vielen anderen Rollen in Kino- und Fernsehfilmen zu sehen war und außerdem Theater spielt.

Der erste Indianerfilm der DDR: Die Söhne der großen Bärin (1966)

„Die Söhne der großen Bärin“ sollte der erste DEFA-Film werden, der das Leben der amerikanischen Urbevölkerung zum Thema hatte. Als Vorlage diente ein sechsteiliger Roman der Schriftstellerin Liselotte Welskopf-Henrich, die sich als Professorin für Alte Geschichte unter anderem für lange Zeit mit der Kultur der Indianer Nordamerikas beschäftigt hatte. Im Vergleich zu den Karl-May-Verfilmungen des Westens wurde nicht nur bei diesem ersten, sondern auch bei den folgenden DDR-Indianerfilmen weitestgehend auf eine korrekte historische Gestaltung der Filmstoffe geachtet. Die Dreharbeiten für den Film begannen im Jahr 1965 unter der Regie des tschechischen Regisseurs Josef Mach. Die Hauptrollen wurden mit Gojko Mitić und Rolf Römer besetzt, die später noch mehrmals in Indianerfilmen zusammen spielen sollten. Erzählt wird die Geschichte des Indianers Tokei-ihto, der die Ermordung seines Vaters durch einen Verbrecher mitansehen muss und Rache schwört. „Die Söhne der großen Bärin“ hatte am 18. Februar 1966 Premiere und wurde im gleichen Jahr zum erfolgreichsten Kinofilm der DDR.

Chingachgook – Die große Schlange (1967)

Als zweiter Indianerfilm der DDR wurde „Chingachgook – Die große Schlange“ gedreht. Dieser Film basierte auf Motiven des Buchs „Wildtöter“ von James Fenimore Cooper aus der Romanreihe „Lederstrumpf“, die übrigens 1920 schon einmal als Vorlage für einen zweiteiligen Stummfilm gedient hatte. Damals spielte der ungarische Schauspieler Bela Lugosi den Chingachgook, der heute vielen vor allem als Dracula bekannt ist. In der DDR-Verfilmung übernahm Gojko Mitić die Rolle des Chingachgook; Rolf Römer verkörperte den Wildtöter. Die Regie führte Richard Groschopp. Gedreht wurde wieder in Potsdam-Babelsberg sowie in der Tschechoslowakei und in Bulgarien. Thematisiert wird in dem Film die Suche des Mohikaners Chingachgook nach seiner von feindlichen Huronen geraubten Braut Wahtawah, bei der ihm sein weißer Freund Wildtöter zur Seite steht. Die Uraufführung fand im Juni 1967 in Rostock statt.

 „Spur des Falken“ (1968)

Die „Spur des Falken“ wurde die dritte DEFA-Produktion zum Thema Indianer und wieder wurde Gojko Mitić mit der Hauptrolle betraut. Als Dakota-Häuptling „Weitspähender Falke“ versucht er das Land der Indianer gegen die Gier weißer Goldsucher zu verteidigen. Regie führte diesmal Gottfried Kolditz. Die Premiere war am 12. Juli 1968. Wie die Vorgängerfilme war auch „Spur des Falken“ ein großer Erfolg. Der Film kam sogar in die westdeutschen Kinos, lief hier aber unter dem Titel „Brennende Zelte in den Schwarzen Bergen“.

Die Indianerfilme der DEFA als Erfolgsrezept

Nach den ersten drei erfolgreichen DEFA-Indianerfilmen mit Gojko Mitić wurde bis zum Jahr 1977 fast jedes Jahr ein neuer Film durch die DEFA-Gruppe „Roter Kreis“ aus Babelsberg hergestellt. Der „Spur des Falken“ folgten 1969 „Weiße Wölfe“, 1970 „Tödlicher Irrtum“, 1971 „Osceola“, 1972 „Tecumseh“ und 1973 „Apachen“. Im Jahr 1974 wurden mit „Ulzana“ ein weiterer Indianerfilm und mit „Kit & Co“ eine Westernkomödie uraufgeführt. „Blutsbrüder“ erschien 1975 und „Severino“ 1977. Spätere Indianerfilme der DDR wurden durch die DEFA-Gruppe „Johannisthal“ realisiert, und zwar 1979 „Blauvogel“, 1983 „Der Scout“ und 1985 „Atkins“. In fast allen Filmen spielte auch Gojko Mitić mit, außer in „Kit & Co“, in „Blauvogel“ und in „Atkins“. Außerdem wirkte häufig auch Rolf Römer mit und bei mehreren Filmen führten Gottfried Kolditz und Konrad Petzold die Regie.

Karl May im Osten

Mit dem Schaffen von Karl May, eigentlich Carl Friedrich May, tat sich die DDR in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens schwer. Seine Bücher waren zwar nicht explizit verboten, wurden aber auch nicht veröffentlicht. Demzufolge nahm sich auch der Film keine Stoffe von Karl May zur Vorlage. Das änderte sich ab 1982. Werke des Autors wurden neu verlegt und in den Buchhandel sowie die Bibliotheken gebracht. Außerdem kam es ab 1983 auf Anregung des damaligen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker zu einer Umgestaltung des Indianermuseums Radebeul, das unter anderem durch eine Sonderausstellung über das Leben Karl Mays ergänzt wurde. Das DDR-Fernsehen strahlte ab Anfang der 1980er zudem einige der Karl-May-Filme aus dem Westen aus, die auf reges Interesse der Zuschauer stießen, sofern diese die Verfilmungen nicht sowieso schon aus dem West-Fernsehen kannten. Die DEFA produzierte nur noch drei Filme nach Motiven von Karl May, und zwar „Das Buschgespenst“ (1986) mit Kurt Böwe und Rolf Ludwig unter der Regie von Vera Loebner, „Präriejäger in Mexiko“ (1988) mit Gojko Mitić und Koljo Dontschev, Regie Hans Knötzsch, sowie den Puppentrickfilm „Die Spur führt zum Silbersee“ von Günter Rätz, unter anderem mit den Stimmen von Gert Grasse und Henry Hübchen.